Die Erlebnisse des letzten Wochenendes haben sich nun ein wenig gesetzt, so dass ich davon berichten möchte: Am Samstag ging es los in mein erstes Erasmusevent, einer zweitägigen Fahrt in die Wachau. Nachdem ich an meinem Geburtstagsabend mit Piers vollkommen in einem Irish Pub versackt war, kam ich entsprechend zerknautscht am Wiener Westbahnhof zum verabredeten Treffppunkt um 8.30 Uhr an. Und wunderte mich gemeinsam mit einem weiteren deutschen Teilnehmer, warum noch niemand da war... es stellte sich in der Folge heraus, dass es von der Bäckerei Anker -dem meeting point- zwei an der Zahl an diesem Bahnhof gab und die 30 anderen Teilnehmer an der anderen standen... Als dann per Teilnehmerliste festgestellt worden war, dass alle angemeldeten Schäfchen da sind, ging es auf zur ersten Station der Reise: St. Pölten. Vom ersten Moment an hatte ich das Gefühl auf Klassenfahrt zu sein: Diese Rollenverteilung: 30 Leute ohne Plan (Schüler), 3 Leute mit Plan & Teilnehmerliste (Lehrer)...
In St. Pölten gab es dann erstmal eine Stadtführung, in der ich so wichtige Dinge lernte, wie dass die Jugendherberge am Bahnhof zwar von außen schäbig aussieht, von innen aber ganz toll und neu ist (aber direkt über den Gleisen...). Und dass das barocke Äußere der Stadt mit konservativen Einstellungen der Einwohner einhergeht. O-Ton der Führerin: Konservativ muss aber nicht schlecht sein, das kann auch gut sein (was sie mindestens 10mal bei der Führung wiederholte). Während des Stadtrundgangs unterhielten sich zwei Teilnehmerinnen darüber, dass wenn sie Besuch ihrer Eltern bekämen, sie unbedingt mit diesen St. Pölten besuchen müssten. Wenn ich meine Eltern quälen wollte... Zum Kontrast folgte dann der Besuch des Regierungsviertels, das zum Missfallen der St. Pöltner eine äußerst moderne Architektur hat und in mir ein leises zu-Hause-Gefühl aufkommen ließ. Erinnerte mich irgendwie an den Düsseldorfer Medienhafen en miniature, na ja, nur eben ohne den Rhein.
Aber zum Verweilen ließ das eng gestrickte Programm keine Zeit, der nächste Stopover widmete sich dem Landesmuseum, wo wir in 60 Minuten Schildkröten, Fische, ausgestopfte Elche, Biedermeier-Bilder und natürlich Barock an uns vorbei ziehen sahen. Dann noch schnell auf den Klangturm, dessen klingenden Inneres leider noch in Arbeit war.
Nach dem Mittagessen ging es dann weiter nach Krems, wo wir auch den Abend und die Nacht verbringen sollten. Dort übernahmen unsere "Lehrer" den Job der Stadtführer und lehrten uns, dass Krems eine ganz alte Stadt ist, es dort viel Barock und viele Schulen gibt... In der Radfahrer-Jugendherge, unsere Übernachtungsgelegenheit, stand dann die gruppendynamisch interessante Aufgabe der Zimmeraufteilung an, die dank (?) der Abgeschlagenheit der Reisenden aber reichlich unspektakulär von statten ging. Auch hier wieder ein Höhepunkt des Klassenfahrt-Gefühls...und beim Beziehen der Betten frage ich mich, wie schon unzählige Male zuvor in meinem Leben, warum es im Zeitalter von Spannbetttüchern noch Bettlaken gibt.
Damit das flooding in österreichischen Kulturinstitutionen nach der Unterbrechung durch den Zwischestopp in einer Einrichtung deutschen Ursprungs wie den JHs weitergehen konnte, stand ein Heurigenbesuch an. Dieses Gasthaus trug den telling name "Pichler", wobei picheln in Österreich allerdings birschtln, flaschln oder piperln heißt. Für die Vegetarier unter den Reisenden entwickelte sich das Abendessen zur Kunst zwischen den totes-Tier-kleingehäckselt-Platten, eine annehmbare Alternative zu finden. Wenn frau dann auch noch dem Kümmel nicht wohlgesonnen ist, tendieren die Wahlmöglichkeiten gegen null.
(Fortsetzung folgt)












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