Freitag, 22. Juni 2007

Inland Empire

Seit dem ersten Juni ist der neue Lynch-Film endlich auch in Österreich in den Kinos... und am Mittwoch habe ich busy Studentin dann endlich Zeit gefunden Inland Empire in der OV im Gartenbaukino zu sehen, mit männlicher Verstärkung an meiner Seite, weil ich -da zart besaitet (manchmal)- mir das nicht allein antun wollte. Puh, das ist schon schwere Kost, die Herr Lynch da in seinem monströsen drei Stunden Streifen serviert. Natürlich ist es müßig zu versuchen, die Handlung wiederzugeben, da es keine lineare Geschichte gibt, oh wunder ;-) Spätestens nach der ersten Stunde gab mein Geist das Bestreben auf die Fragmente zu einem "logischen" Plot zusammen zusetzen... und entschwand in den Untiefen der Lynch'schen Psycho-logik... hmm, was soll ich dazu sagen, zwischenzeitlich habe ich mich doch gefragt, wann das Grauen ein Ende nimmt und warum ich eigentlich Geld dafür zahle mich drei Stunden lang anzustressen. Aber es ist damit wie mit dem Nachgeben der Verlockung an einer Tür zu horchen, obwohl das Gehörte besser ungehört bleiben sollte, so lauschte ich den Einflüsterungen Lynchs. Das Genre Film oder gar Spielfilm passt nicht zu diesem Film, der durch Szenensplitter und Geräusche eine Projektionsfläche für das Treiben des eigenen Geistes bietet. Es ist mehr eine psychologische Collage der von jeglichen selbstgestricken Zusammenhängen freigelegten Innenwelten von Menschen. Will sagen: Wenn man die Rationalisierungen und Verdrängungen, die uns ein lineares Erleben vorgauckeln, wegnehmen würde, bliebe diese Lynch-Welt übrig. Und dies ist für mich das Verlockende und Beängstigende: Zu Erleben wie dünn diese Schicht des "Normalseins" ist.
Aber irgendwie war es nichts neues, eine Variation Lynch'scher Themen ohne wirkliche Überraschungen. Und der neuen Kameratechnik konnte ich gar nichts abgewinnen, anstelle der ästhetischen Bilder von z.B. Lost Highway -die mir als wirkliche Bilder und nicht als Szenen im Gedächtnis geblieben sind- sind körnige, verwackelte und seltsam belichtete Aufnahmen getreten. Also weiterempfehlen werde ich den Film nicht, obwohl es mir als Lynch-Maniac weh tut. Wer Fan ist geht sowieso in den Film, allen anderen würde ich eher zu einem der anderen Lynch-Werke raten...