...ja groß ist es hier in den Medien: Kurt Waldheim ist tot. Hmmm, also meine erste Reaktion war ein großes Fragezeichen, Kurt wer? Nachdem die ersten Radionachrichten sich von einem großen und verdienten Österreicher verabschiedeten und die nächsten (bei einem anderen Sender) von der Bedeutung Waldheims für die österreichische NS-Vergangenheitsaufarbeitung sprachen, war meine Verwirrung noch größer. Als ich auf meiner Startseite, dem Österreich-Blog der Zeit, den aktellen Artikel las, in der die Reaktion auf Waldheims Tod durch einen der Autoren in Form des "persönlichen Erinnerns" reflektiert wird, wurde mir noch komischer zumute. Da wird erst am Ende der Name genannt und das persönliche Erinnern (wie geht eigentlich unpersönliches Erinnern?) besteht darin, darauf hinzuweisen, dass Waldheim nicht allein durch die Diskussion um seine NS-Vergangenheit, sondern auch durch seine Amtszeit als Generalsekretär der Vereinten Nationen in Erinnerung bleibt. Keine Ahnung, bei mir blieb er durch gar nichts in Erinnerung, wobei allerdings seine Zeit bei den Vereinten Nationen vor meiner Geburt lag und als Fünfjährige habe ich die Waldheim-Affäre, in der er seine NS-Zeit aktiv zu vergessen suchte, nicht gespannt verfolgt. Aber seltsam finde ich es schon bei einer solchen Symbolfigur -und es ist nunmal so, dass die Bedeutung, die mit Symbolen verbunden wird, mit dem Ursprungsobjekt bzw. -subjekt nicht allzuviel gemein hat- darauf zu beharren, dass er ja auch ein UN-Mann war...
Und im Standard ist die sonst sehr horizonterweiternde Forumsfunktion, bei der jede Leserin die Artikel kommentieren kann, bei allen Berichten zu Waldheim deaktiviert, unter dem Hinweis "Wir bitten die UserInnen um Verständnis, dass derStandard.at zu diesem Thema ausnahmsweise kein Forum anbietet". Wieso Verständnis? Gar nichts verstehe ich oder beginne doch so langsam zu verstehen, dass in Österreich mit der NS-Zeit nicht in der Form umgegangen wird/wurde wie in Deutschland, wo 1986 noch jemand behaupten konnte, dass er zur NS-Zeit ja nur seine Pflicht getan habe. Ich dachte, dass solche Konflikte durch die Generation meiner Eltern ausgetragen worden sind, hier wohl anscheinend erst Mitte der 80er. Umso erschreckender finde ich es, wenn 2007 dann ein Rückzug in persönliches Erinnern (Zeit-blog) und eine Unterbindung einer Fortsetzung der Diskussion (Standard) stattfindet.
Donnerstag, 14. Juni 2007
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